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Kommentar Gymnasium Saar 04/2015, Dr. Marcus Hahn, Vorsitzender

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

dieser Tage erreichen uns Bilder, die sprachlos machen könnten. Boote voll mit Menschen, die im Meer versinken; Familien, die aus ihrer Heimat fliehen; uralte Kulturgüter, die in die Luft gesprengt werden – und gewalttätige Extremisten mitten in Deutschland. Sprachlos können uns diese Bilder machen, dürfen es aber nicht. Der Öffentliche Dienst und die Zivilgesellschaft unseres Landes haben sich nämlich der Aufgabe gestellt, mit der das Land konfrontiert ist. Da wird seit Monaten organisiert, betreut, versorgt, geholfen und gespendet. Es gibt keinen besseren Beweis dafür, wie wertvoll die Demokratie, die Rechtstaatlichkeit und der Öffentliche Dienst für unser Saarland ist als die vieltausendfache Ankunft von hilfesuchenden Menschen aus der ganzen Welt.
Welche konkreten Auswirkungen dieser Vorgänge wir für den Öffentlichen Dienst erwarten dürfen, ist längst noch nicht klar. Sehr schnell schon hat sich gezeigt, dass die für „normale“ Zeiten kalkulierten Mittel nicht ausreichen werden, um die unerwartet große Zahl von Neuankömmlingen angemessen in unser Alltagsleben zu geleiten. Zum Zeitpunkt der Drucklegung dieser Ausgabe von Gymnasium Saar hat gerade die Debatte darüber begonnen, ob auch bei der Finanzausstattung der Schulen eine Nachsteuerung nötig sein wird.
Vor dem Hintergrund dieser aktuellen Entwicklungen erhält ein eigentlich eher unscheinbares Vorhaben, nämlich die Einführung von Ethikunterricht ab Klassenstufe 5, neues Gewicht. Selten wurde uns so deutlich vor Augen geführt, wie wichtig es für eine Gesellschaft ist, sich über elementare Fragen des Zusammenlebens, von Ethik, Moral, Freiheit und Recht vernünftig und auf Basis solider Kenntnisse auszutauschen. Viel schneller als man es vielleicht erwarten möchte, kann dies in einem Land zu einer Frage des nackten Überlebens werden.
Diesen Gedanken kann man verallgemeinern: Bildung und Erziehung ist eine der mächtigsten Waffen im Kampf gegen Terror, Gewalt und Unterdrückung. Vielleicht gerät das im alltäglichen Klein-Klein um Hausaufgaben, Stundenpläne oder Funktionsstellen zu leicht aus dem Blick. Wenn dem so ist, sollten wir uns jetzt schon vornehmen, in der bald wieder einsetzenden Hektik des Schulalltags immer mal wieder den Blick auf das Wesentliche zu richten.
Ich wünsche uns allen einen guten Start in das neue Schuljahr!

Ihr
Dr. Marcus Hahn
Vorsitzender