Der Saarländische Philologenverband sorgt dafür, dass Sie auf dem Laufenden bleiben.
Informieren Sie sich über aktuelle Themen in der saarländischen Bildungslandschaft und über die Positionen unseres Verbandes.

Ihre Meinung ist uns wichtig. Schreiben Sie uns unter geschaeftsstelle@phv-saar.de !

Kommentar Gymnasium Saar 01/2016, Dr. Marcus Hahn, Vorsitzender

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Die Deutschlehrer haben es nicht leicht. Josef Kraus, der streitbare – und gewiss nicht langweilige – Präsident des DL zeigt in dieser Ausgabe von Gymnasium Saar, warum das so ist. Und dass es den anderen Sprachlehrern ganz ähnlich geht, dafür sorgte der Aufreger kurz vor den Weihnachtsferien. Ein, wie es in der kurz darauf nachgeschobenen Erklärung heißt, „missverständliches“ Rundschreiben zur Schulbuchausleihe hat mehr als einem Kollegen aus den Sprachfächern einen Teil der Weihnachtsferien verdorben. Was geschehen war, hat sich längst herumgesprochen („Pauschalen“) und ist durchaus noch den einen oder anderen Satz wert. Trotzdem: Denkt man an die groben Schnitzer, die gelegentlich in anderen Bereichen der Landespolitik passieren, eigentlich eine Petitesse. Ärger hervorgerufen hat die Angelegenheit aber doch, und zwar weil viele engagierte Lehrkräfte sich im Kern ihrer Arbeit getroffen fühlten. Ganz speziell diejenigen, die ihren Schülern mit viel Sachverstand und großer Offenheit für die Interessen ihrer Schüler einen mitreißenden Lektüreunterricht gestalten. Und von solchen Lehrkräften gibt es enorm viele an unseren Gymnasien!
Klar, dass wir im Philologenverband noch vor den Weihnachtsferien in aller Deutlichkeit Stellung dazu bezogen haben. Gut auch, dass immerhin ein Reparaturversuch erfolgte, und das sogar in kurzer Zeit.
Dass dieser Reparaturversuch vermutlich nicht vollständig gelingen wird, speziell was die soziale Komponente und die Senkung des Verwaltungsaufwands angeht, ist bedauerlich. Die andauernde Missstimmung erklärt sich aber wohl eher aus dem fundamentalen Unverständnis gegenüber dem professionellen Selbstverständnis der Lehrkräfte und leider auch gegenüber den Erfordernissen des Unterrichts und der Situation an Gymnasien.
Das ist übrigens auch einer der Gründe, warum das Raunen über eine Reform der GOS und – schon wieder die Sprachen – über die Einführung von Paarprüfungen im Fremdsprachenabitur von vornherein auf Misstrauen stößt. Oder könnte bei dem einen oder anderen vielleicht etwas herauskommen, was uns wirklich dabei hilft, unsere Schüler zur Studierfähigkeit zu führen? Oder handelt es sich nur um die letzten Zuckungen der Politik, bevor sie in Wahlkampfstarre verfällt? Oder schlimmer noch: Handelt es sich um die schlechte alte Mischung von Placebo-Reförmchen, Niveausenkung und Chaosstiftung? Es spricht viel dafür, dass die nächste Ausgabe von Gymnasium Saar uns einiges an Klarheit bringen wird.

Ihr
Dr. Marcus Hahn
Vorsitzender