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Kommentar Gymnasium Saar 05/2016, Dr. Marcus Hahn, Vorsitzender

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

egal was kommt: Niemand wird sagen können, wir im Philologenverband hätten uns nicht mit aller Entschiedenheit gegen Populismus eingesetzt. Aber schon wieder veranlassen mich politische Ereignisse – diesmal von jenseits des Atlantiks – das Thema im „Kommentar“ von Gymnasium Saar aufzugreifen. Im Unterricht und in den Lehrerzimmern wurde und wird das von uns Lehrern ebenso verlangt. Selbstverständlich stimmen wir im Philologenverband in das große Konzert derjenigen ein, die extremistische, intolerante und demagogische Strömungen grundsätzlich ablehnen. Wir im Philologenverband können aber noch mehr: Wir sehen sehr deutlich, dass bestimmte Herangehensweisen, derer sich Populisten aller Couleur mit Vorliebe bedienen, sich klammheimlich auch im eigentlich demokratischen Spektrum festgesetzt haben. Dazu gehören in unserem Arbeitsgebiet an erster Stelle diejenigen Personen, die sich von ihrer politischen, pädagogischen oder sonst wie begründeten Euphorie dazu verleiten lassen, sachliche Argumente zu ignorieren und ihre – meistens wohlklingenden, oft aber zu wenig durchdachten – Vorhaben wie mit Scheuklappen einfach durchführen. Zu die- sem Kreis sind übrigens auch alle diejenigen zu zählen, die mit wolkigen Heils- versprechen nach dem Motto „man muss einfach nur xy einführen“ ohne jede Rücksicht auf Kosten und praktische Schwierigkeiten den Eindruck erwecken, man könne quasi alle Probleme mit einer einzigen einfachen Lösung wie von Zauberhand aus der Welt schaffen. Gerade weil solche Herangehensweisen in letzter Zeit immer öfter zu beobachten sind und sich teilweise sogar in Rechtsnormen niederschlagen, können wir wirklich froh sein, in unseren Schulen und im Philologenverband so viele Kolleginnen und Kollegen zu ha- ben, die eben nicht nur Lippenbekenntnisse zur Demokratie ablegen, sondern sich der Mühe der Rechtsstaatlichkeit und der Personalmitbestimmung unterwerfen. Auf den unterschiedlichsten Ebenen und in den unterschiedlichsten Bereichen – als Beispiele seien die Personalräte oder der Vorstand des SPhV genannt – investieren diese Kolleginnen und Kollegen ihre Kraft dafür, die praktischen, fachlichen und sachlichen Argumente zu analysieren und wirksam zur Sprache zu bringen. Das geschieht in einem Kontext, in dem speziell auf den Leitungsebenen noch zu oft viel zu spät erkannt wird, dass die Sachargumente und die Sichtweisen der Praktiker nicht ein Hindernis, sondern die beste Chance für eine echte qualitative Weiterentwicklung des Schulwesens sind. Deshalb kommt der Ärger meistens prompt und laut, der Dank fast immer zu spät oder gar nicht.
Völlig unabhängig davon, ob man in jedem Punkt einer Meinung ist oder nicht, ist es mir persönlich ein großes Anliegen, dass sich möglichst viele Kolleginnen und Kollegen mit ihrem Wissen und Können auf diese Weise in die Pflege und Weiterentwicklung unserer Schulform einbringen; meiner Meinung nach tragen sie damit viel dazu bei, den Populismus von innen in seinen Schranken zu halten und den Bildungsbereich gegen den Populismus von außen zu schützen. Zu Weihnachten ist ein besonders guter Zeitpunkt, dafür auch einmal Dank zu sagen. In diesem Sinne wünsche ich uns allen frohe Festtage und einen guten Rutsch in das Neue Jahr!

Ihr
Dr. Marcus Hahn
Vorsitzender