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Kommentar Gymnasium Saar 03/2017, Dr. Marcus Hahn, Vorsitzender

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

viele wichtige Entscheidungen liegen hinter uns. Unsere Abiturienten haben in den Abiturprüfungen ihr Wissen und Können unter Beweis gestellt, die Lehrerinnen und Lehrer haben ihre Personalräte neu gewählt und die Bürger dieses Landes haben über die Zusammensetzung des Landtags und damit indirekt auch über die Bildung einer neuen Landesregierung entschieden. Wie immer liegt auch bei diesen Entscheidungen Licht und Schatten eng beieinander. Dabei hängt die Bewertung häufig stark von der Perspektive ab: Versteht man beispielsweise die Abiturprüfungen als Chance für die Schülerinnen und Schüler, ihr Wissen und Können unter Beweis zu stellen, zählen sie sicherlich in den meisten Fällen eher zu den hellen Flecken des Frühjahrs, und wer als Lehrerin oder Lehrer den Erfolg seiner Schülerinnen und Schüler auch auf seine eigene Arbeit bezieht, hat bestimmt oft genug Grund zum Stolz. Sieht man dagegen die zentralen Abiturprüfungen als Test für die Fähigkeit, fachlich angemessene und reibungslos funktionierende Leistungsbeurteilungen vorzunehmen, ist die Gefühlslage zumindest bei dem ein oder anderen wohl eher durchwachsen. Diese Gefühlslage richtig auszutarieren und dann vor allem auf der sachlichen Ebene die richtigen Entscheidungen zu treffen -, ist nicht einfach, denn neben der ausgesprochen unangenehmen, weil jedes Jahr auftauchenden Berichterstattung über „Probleme beim Abitur“ übersieht man zu leicht die hellen Stellen. Beispielsweise hat die Teilnahme am bundesweiten Aufgabenpool im Wesentlichen gut funktioniert und eben nicht das Chaos verursacht, das dessen Gegner lange Jahre vorhergesagt haben. Ob nun allerdings daraus tatsächlich jene Angleichung der Anforderungen im Abitur resultiert, die manche sich erhofft haben, wird sich noch zeigen müssen.
Vergleichbar ist die Situation auf der politischen Ebene: Auch die Entscheidungen in diesem Bereich mündeten in einem schriftlichen Ergebnis, nämlich einem Koalitionsvertrag von CDU und SPD. Ähnlich wie eine Abiturarbeit verleiht dieser Vertrag unmissverständlich Aufschluss darüber, welche Lernund Arbeitsvorgänge der Vergangenheit erfolgreich waren und welche eben nicht. Weiterhin zeigt sich, dass das Niveau dieses Textes gegenüber seinem Vorgänger gestiegen ist, ähnlich wie Abiturarbeiten ja auch ein größeres Maß an Reife zeigen sollten als Klassenarbeiten in Klassenstufe 8, mithin also auch ein positives Ergebnis, das übrigens deutlich die Stärken von schriftlichen Formen der Leistungserbringung vor Augen führt. Genauso wie Abiturprüfungen besitzt allerdings auch der Koalitionsvertrag einen blinden Fleck, und zwar dort, wo seine tatsächliche Wirkung von der Qualität der Umsetzung der niedergelegten Gedanken in der zukünftigen Regierungspraxis abhängt. Für diese Umsetzung garantiert aus Sicht der Ministerpräsidentin Ulrich Commerçon, den sie zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe war die Regierungsbildung noch nicht vollzogen wohl erneut als Bildungsminister in ihr Kabinett beruft. Jedem Beteiligten ist aber auch klar, dass wir im Philologenverband mit unserer stets sachlichen und konstruktiven Arbeit für diese Realisierung unseren bescheidenen Beitrag leisten werden können, dürfen, sollen und müssen.
Uneingeschränkt positiv ist nur das Ergebnis der Personalratswahlen. Nicht nur, dass wir dbb-Verbände unsere unangefochtene Stellung als die maßgeblichen Vertreter der Interessen der Lehrerinnen und Lehrer behaupten und sogar ausbauen konnten, die Vielzahl der jungen Kolleginnen und Kollegen, die speziell im Bereich der Gymnasien dazu bereit waren, sich in den nächsten Jahren erstmals in der Personalratsarbeit zu engagieren, ist ein ausgesprochen positives Signal. Selbstverständlich werden wir im Philologenverband weiterhin alles in unseren Kräften Stehende tun, um die Personalräte bei ihrer Arbeit zu unterstützen, denn eines kann als Gesamtergebnis der Entscheidungen des Frühjahrs jetzt schon festgestellt werden: Es ist absolut unverzichtbar, dass wir im Philologenverband uns auch in Zukunft mit starker Stimme für die Interessen der Lehrerinnen und Lehrer an Gymnasien und für unsere Schulform engagieren.

Mit kollegialen Grüßen

Ihr
Dr. Marcus Hahn
Vorsitzender