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Kommentar Gymnasium Saar 04/2017, Dr. Marcus Hahn, Vorsitzender

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir alle erfahren es in der Schule tagtäglich: in unserem Beruf weiß man nie genau was kommt. Das ist manchmal anstrengend, wenn unsere lieben Schülerlein mal wieder ohne erkennbaren Grund ungenießbar sind oder wenn narrensicher geplante Stunden in einem Scherbenhaufen enden. Viel öfter aber ist es erfrischend, ermutigend oder manchmal sogar rührend, was man so Tag für Tag an Erfolgen, an unvermuteten oder auch völlig neuen Dingen erlebt. Unter anderem deshalb - das bekenne ich am letzten Ferienwochenende schreibend - freue ich mich darauf, wenn die Schule wieder anfängt.

Wobei der Mix aus Routine, Planbarem und Neuem ja in der Verbandsarbeit auch während der unterrichtsfreien Zeit nicht aufgehört hat. Dass beispielsweise der Leistungserlass in eine halbwegs vernünftige Form gebracht werden würde, hatten wir ja schon vor den Ferien erfahren. Zu erwarten war auch, dass das Thema Oberstufenreform uns beschäftigen würde. Sorgfältigerweise haben wir diesbezüglich unsere Stunde, pardon: unsere Positionen, gründlich vorbereitet, so dass wir jetzt in breitem Konsens mit den Eltern und mit sachverständigen Gesprächspartnern auf eine gute Reform hoffen dürfen, die den Erwartungen und Bedürfnissen unserer Schüler, Lehrer und Gymnasien entspricht.

Für ein wenig Überraschung hat dann aber doch der Hype um die Schülerzahlen-Studie gesorgt. Es wurde als Neuigkeit verkauft, dass tatsächlich ein paar Schüler mehr in den Schulen stecken, als – ja, was denn? Nun, in erster Linie sind mehr Schüler in den Schulen, als Stiftungen, Unternehmensberatungen und ideologiegetriebene Politiker vor ca. zehn Jahren prognostiziert haben. Damals, man erinnert sich, war es politisch opportun, eine möglichst große „Demografische Rendite“ zu beschwören, mit der man dann wahlweise den damaligen Lehrermangel aus der Welt reden, neue Schulformen erfinden oder (unter anderem auch) finanziell unbeherrschbare „Projekte“ wie z.B. die Inklusion scheinfinanzieren konnte.

In Wirklichkeit haben sich die Schülerzahlen ja auch deutlich nach unten bewegt: Bei uns an den Gymnasien macht sich das mit bis zu einem Sechstel zwischen heute und dem „Allzeithoch“ bemerkbar. Nur ist ein erheblicher Anteil dieser Veränderungen auf Strukturmaßnahmen zurückzuführen (z.B. G 8) und außerdem schlägt sich diese Entwicklung höchstens sehr indirekt auf den Lehrerbedarf nieder. Das alleine schon deshalb, weil die Zahl der Klassen sich anders verändert als die der Schüler. Und wer jetzt von dem Gefühl beschlichen wird, diese Argumente schon einmal gelesen zu haben, liegt völlig richtig: All‘ das haben wir im Philologenverband schon laut und deutlich gesagt, als im Jahr 2010 gähnend leere Klassenzimmer im Saarland prognostiziert wurden.

Dabei geht es nicht um Besserwisserei, sondern es geht darum herauszuarbeiten, dass sogar hinter amtlichen Zahlen ein gutes Stück Politik steckt. Die „überzähligen“ Schüler tauchten eben nicht aus dem Nichts auf, wurden auch nicht von Ganztagsschulen oder -kindergärten auf die Welt gebracht und stammen zumindest zum größten Teil auch nicht aus anderen Teilen der Welt. Und deshalb ist auch der „neue“ Lehrermangel kein „echter“ Mangel, wie man sehr leicht an den Bewerberlisten für Planstellen an saarländischen Gymnasien sehen kann, sondern in erster Linie eine schmerzhafte Strafe für diejenigen Bundesländer und diejenigen Schulformen, die besonders schlechter Politik zum Opfer fielen.

Das wiederum macht klar, wie wichtig unsere Arbeit nicht nur an der Schule sondern auch im Verband und in den Personalvertretungen ist – und auch das können wir alle als wirksame Motivation für einen guten Start ins neue Schuljahr ansehen.

Mit kollegialen Grüßen

Ihr
Dr. Marcus Hahn
Vorsitzender

P.S. Im Übrigen sollte die Drei-Stunden-Regel vor den Ferien wieder eingeführt werden.