Problemanzeige

  • Aufgrund von haushalterisch und politisch bedingten Entscheidungen droht das Lehramtsstudium zu einem Studium zweiter Klasse zu werden.
  • Zusätzliche Aufgaben und Akzentverschiebungen haben in der Lehrerbildung den Blick auf das an Gymnasien Wesentliche, die solide fachliche und pädagogische Grundlage des Unterrichtens, verstellt.
  • Die Verkürzung des Vorbereitungsdienstes um ein Viertel auf 18 Monate hat gravierende negative Folgen für die Organisation und die Ausgestaltung des Referendariats gebracht.
  • Investitionen zur Steigerung der Qualität und der Nachhaltigkeit der Lehrerbildung wurden versäumt, insbesondere im Übergang vom Referendariat in die Festeinstellung und in der Weiter- und Fortbildung der Lehrkräfte.
  • Die dritte Phase der Lehrerbildung krankt an einer Zweckentfremdung als Instrument zur Durchsetzung schulpolitischer Reformen und Projekte.

Grundsätze
Eines der wichtigsten Qualitätsmerkmale der Lehrerbildung im Saarland (und in ganz Deutschland) ist die Strukturierung nach den drei Phasen Studium, Vorbereitungsdienst und Fort- und Weiterbildung. Der Saarländische Philologenverband betrachtet diese Struktur als sinnvoll und zukunftsträchtig und fordert deren sorgfältige Pflege. Sie bildet auch die Grundlage für den engen Zusammenhang zwischen den Unterrichtsfächern und ihrer jeweiligen Bezugswissenschaft.
Gegenwärtig benötigt besonders die zweite Phase und der Übergang zwischen Referendariat und Festanstellung hohe Aufmerksamkeit.
Die Fachlichkeit, also die reflektierte, wissenschaftsbezogene Durchdringung des Unterrichtsfachs, bildet die Grundlage erfolgreichen Unterrichts am Gymnasium. Die Professionalität der Lehrkräfte an Gymnasien beruht auf einem wissenschaftlichen Studium in zwei Fächern. An der fachlichen Tiefe dieses Studiums dürfen im Vergleich zu anderen Studiengängen keine Abstriche gemacht werden; das auch deshalb, weil Abstriche bei der Ausbildung der Lehrkräfte unweigerlich zu Verschlechterungen in der Unterrichtsqualität führen.
Der Saarländische Philologenverband betrachtet den geordneten Zugang zur Unterrichtstätigkeit an Gymnasien als bedeutende demokratische Errungenschaft. Daher soll dieser Zugang weiterhin durch staatliche Prüfungen und durch einen staatlichen Vorbereitungsdienst geregelt und gestaltet werden.
Der Vorbereitungsdienst muss sich hinsichtlich seiner Dauer, seiner Organisation und inneren Ausgestaltung den stark gestiegenen Anforderungen stellen. Das erfordert planvolle Verbesserungen und erhebliche Investitionen, speziell in die Arbeitsbedingungen von Referendaren und Ausbildern.

Fachlichkeit der Lehrerbildung
Lehrkräfte an Gymnasien benötigen eine Erstausbildung in Form eines vollwertigen wissenschaftlichen Studiums in zwei Fächern. Abstriche gegenüber anderen Studiengängen hinsichtlich der Breite des Angebots und der fachlichen Tiefe sind für den Saarländischen Philologenverband nicht akzeptabel. Akzentsetzungen im Hinblick auf fachdidaktische Anteile sind auch im gymnasialen Lehramtsstudium möglich, ebenso wie bildungswissenschaftliche Anteile – möglicherweise weiterhin als eigenständiger Studienteil – die fachlichen Teile nach einem schlüssigen Gesamtkonzept ergänzen können.
Der enge Bezug zwischen den Unterrichtsfächern und ihrer jeweiligen Bezugswissenschaft stellt einen wesentliches Qualitätsmerkmal des gymnasialen Unterrichts dar. Daher müssen in der universitären Lehrerausbildung hauptsächlich solche Lehrveranstaltungen angeboten werden, die die wissenschaftliche Reflexion der Studienfächer in Perspektive des Unterrichts zum Gegenstand haben. Demgegenüber sind Lehrveranstaltungen, die das Unterrichten selbst in den Vordergrund stellen, quantitativ zu reduzieren. Ein wesentliches Merkmal erfolgversprechender Lehramtsstudiengänge ist die Transparenz, also die Durchlässigkeit für die Studenten, die sich noch nach Studienbeginn auf eine rein fachbezogene oder auf das Lehramt ausgerichtete berufliche Tätigkeit orientieren können sollen.
Die Landesuniversität hat die Aufgabe, Lehramtsstudiengänge in allen an Gymnasien vorhandenen Unterrichtsfächern anzubieten und die Studienneigung im Hinblick auf die Lehramtsstudiengänge zu fördern. Die Zulassung von Bewerbern zu den Lehramtsstudiengängen darf nur nach Maßgabe der Ausbildungskapazitäten in der zweiten Phase der Lehrerbildung beschränkt werden; die Auswahl der Bewerber hat in erster Linie nach auf das Studienfach bezogenen Kriterien zu erfolgen, wobei die Abiturnote als wichtigstes Kriterium zu berücksichtigen ist.

Qualität des Vorbereitungsdienstes
Dem Vorbereitungsdienst kommt sowohl in der individuellen Laufbahn der einzelnen Lehrkräfte als auch als Gestaltungsinstrument der Lehrerbildung die Bedeutung einer zentralen Schalt- und Entwicklungsschnittstelle zu. Der SPhV fordert die maximal möglichen Investitionen in diesem Bereich, da hier die entscheidenden Weichenstellungen für die Qualitätsentwicklung des saarländischen Schulwesens gestellt werden.
Der SPhV hat die Verkürzung der Dauer des Vorbereitungsdienstes auf 18 Monate stets abgelehnt; in dieser Ablehnung sieht sich der Philologenverband durch alle zwischenzeitlich eingetretenen Probleme und Veränderungen bestätigt. Daher fordert der SPhV die Ausdehnung des Vorbereitungsdienstes auf 24 Monate als wichtigen Beitrag zur Qualitätssicherung.
Der SPhV betrachtet  die Versuche zur Standardisierung und Modularisierung der Seminaranteile im Vorbereitungsdienst als erfolgversprechenden Ansatz, insofern dadurch die Transparenz und die Vergleichbarkeit der Leistungsanforderungen und der Ausbildungsgegenstände verbessert wurden. Es hat sich allerdings gezeigt, dass der Ausbildungsumfang zu hoch ist und die Leistungsfähigkeit von Referendaren, Ausbildern und dem Seminar gleichermaßen überfordert. Daher empfiehlt der SPhV zu prüfen, inwiefern die Reduzierung der Ausbildung um diejenigen Anteile, die nicht zu den Kernaufgaben der zweiten Phase der Lehrerbildung gehören, möglich ist.
Ein gravierendes Defizit der zweiten Phase der Lehrerbildung in ganz Deutschland besteht in der übertriebenen Ausrichtung auf einzelne Unterrichtsstunden, die zum einen das Lernen an den Seminaren selbst, zum zweiten die Reflexion der Unterrichtsversuche der Referendare und schließlich auch die Beurteilung der Ausbildungsleistung dominiert. Diese übertriebene Konzentration auf die einzelne Unterrichtsstunde erschwert die gerechte Beurteilung der Referendare und fördert eine verzerrte Sicht auf die Unterrichtstätigkeit nach Abschluss der zweiten Phase. Insofern behindert sie das Erreichen der Ziele der zweiten Phase. Mit der Abschaffung der zweiten Staatsarbeit, die eine Konzession im Zuge der – sachlich falschen – Verkürzung des Vorbereitungsdienstes darstellte, wird diese Fehlentwicklung weiter verstärkt. Daher plädiert der SPhV für die Einführung von prüfungsrelevanten Ausbildungsteilen, die die fachliche, didaktische und praxisorientierte Reflexion von mehrere Einzelstunden übergreifenden Unterrichtssequenzen beinhalten.

Ausgestaltung des Vorbereitungsdienstes
Der Vorbereitungsdienst stellt für die Absolventen den Abschluss ihrer Ausbildung dar. Insofern bekräftigt der SPhV den Rechtsanspruch auf einen Referendarsplatz. Dem Staat als Monopol-Ausbilder kommt das Recht zu, Bewerber nach einem differenzierten Verfahren anhand ihrer Eignung und Leistung auszuwählen und die Anzahl der Ausbildungsplätze nach Maßgabe der zur Verfügung stehenden Mittel zu kontingentieren. Unzumutbar lange Wartezeiten stellen allerdings einen Missstand dar, der nicht zuletzt aus sozialen Gründen verhindert werden muss. Der SPhV beurteilt die Koppelung der an der Universität und am Studienseminar zur Verfügung gestellten Studienplätze als geeignetes Instrument, um unzumutbare Wartezeiten und Fehlallokationen im Hinblick auf spätere Einstellungschancen zu verringern. Eine Bevorzugung von „Saarländern“ lehnt der SPhV aus Gründen der Rechtssicherheit und wegen des Prinzips der Bestenauslese ab; allerdings plädiert der SPhV dafür, mit Hilfe differenzierter Instrumente bestehenden Missbrauch wie z.B. regional unterschiedliche Notentraditionen zu verhindern. Daher fordert der SPhV Maßnahmen zur Verbesserung der Chancengleichheit wie z.B. länderübergreifende Informationen über Abschlussnoten und Leistungsanforderungen, die bei Einstellungsverfahren berücksichtigt werden müssen.
Die Beurteilung der Leistung von Referendaren muss transparent, objektiv, valide und reliabel erfolgen. Die Referendare haben ein Recht auf optimale Transparenz ihrer Beurteilungen. An die Seite der Benennung und Erläuterung der Beurteilungskriterien muss dazu in erster Linie zwingend die Information über deren Gewichtung im Rahmen jeder einzelnen Beurteilung treten. Weiterhin fordert der SPhV, dass statistische Auswertungen der Prüfungsergebnisse auch als Instrument der Qualitätsentwicklung im Studienseminar verwendet werden. Dabei ist besonders auf Notenunterschiede zwischen den Fächern zu achten.

Organisation des Studienseminars
Der SPhV betrachtet die mehrfach erfolgten, grundlegenden Organisationsreformen im Studienseminar als Ausdruck einer wenig durchdachten Führung, die zudem wenig Rücksicht auf die dienstlichen Belange, die organisatorischen Erfordernisse und die Arbeitsbelastung des Personals genommen hat. Auch wenn die gegenwärtige Situation mit der räumlichen Zusammenführung der Seminare gewisse Vorteile bringt, wurden doch die Synergieeffekte der räumlichen Zentralisierung und die organisatorischen Vorteile bei weitem überschätzt. Insbesondere die Belastung des Personals ist immer noch bei weitem zu hoch. Notwendige und längst geforderte Investitionen wie z.B. die personelle Aufwertung der Seminarleitungen, die bessere sachliche Ausstattung und die Errichtung einer Supervision wurden bislang versäumt. Daher fordert der SPhV die sofortige Erstellung eines Investitionsprogramms für das Studienseminar.
Nicht zuletzt in Folge der falschen Verkürzung des Vorbereitungsdienstes hat sich auch die Arbeitssituation der Referendare dramatisch verschlechtert. In der Kürze der Zeit ist eine Einarbeitung in die neue Aufgabe am Seminar selbst kaum noch möglich, bevor der – mit viel zu hohem Stundenansatz ausgestattete – eigenverantwortliche Unterricht beginnt. Während dieser Zeitspanne wird von den Referendaren neben der unterrichtlichen Tätigkeit viel zu viel an organisatorischen Leistungen verlangt, so insbesondere der Wechsel zwischen mehreren Ausbildungs- und Einsatzschulen, teilweise mehrfach an einem Tag. Dadurch wird als Nebeneffekt auch die Arbeit der Gymnasien unnötig erschwert und darunter leidet sowohl die Arbeitssituation an den Gymnasien als auch die Unterrichtsqualität. Als Sofortmaßnahme zur Behebung dieser Probleme fordert der SPhV, die von Referendaren im eigenverantwortlichen Unterricht geleisteten Unterrichtsstunden aus dem Budget der Gymnasien herauszunehmen. Weiterhin fordert der SPhV die Gewährung einer Reisezulage für Referendare im eigenverantwortlichen Unterricht von 150 Euro pro Monat.

Fachleiter
Das Prinzip der fachleiternahen Ausbildung im Saarland hat sich inhaltlich bewährt und im Vergleich zu anderen Ansätzen als kostensparend erwiesen. Der Dienstherr spart durch die Tätigkeit der Fachleiter Personalmittel für die Betreuung und Anleitung der Referendare im Unterrichtseinsatz und spart weiterhin in hohem Maße Personalmittel, indem die Fachleiter zu ausbildungsfremden Aufgaben wie z.B. der Arbeit in Lehrplan- und anderen Kommissionen, der Wahrnehmung von Dienstherrnaufgaben bei der Beurteilung von Lehrkräften oder auch in der ersten Phase der Lehrerbildung eingesetzt werden. Der SPhV fordert, diese eingesparten Mittel zumindest zum Teil in die Lehrerbildung zu reinvestieren.
Es hat sich als sinnvoll erwiesen, bei der Auswahl der Fachleiter auf Lehrkräfte mit umfangreicher eigener Unterrichtserfahrung zurückzugreifen. Dies ist umso wichtiger, als unter veränderten gesellschaftlichen und beruflichen Umständen der Aspekt der persönlichen Begleitung und Entwicklung der Referendare stark an Bedeutung gewonnen hat. Fachleiter benötigen unter anderem deshalb auch viel mehr Freiräume zur Betreuung der Referendare. Das muss sich zum einen in entsprechenden Freistellungen niederschlagen und zum anderen in Maßnahmen, die die organisatorischen Belastungen und die Fahrtzeiten deutlich reduzieren.

Berufseinstieg
Auch die Landesregierung hat offensichtlich erkannt, dass die Anforderungen an die Phase des Berufseinstiegs stark gewachsen sind. Das wird unter anderem daran sichtbar, dass die Probezeit von zwei auf drei Jahren verlängert wurde. Gleichzeitig wurde jedoch der Berufseinstieg für die neu eingestellten Lehrkräfte willkürlich erschwert. Die am deutlichsten sichtbare dieser Willkürmaßnahmen ist die Kürzung der Eingangsbesoldung. Abgesehen davon verzichtet das Saarland im Lehrerbereich auf eine strukturierte Begleitung der Berufseinsteiger, obwohl eine solche Begleitung sich in vielen anderen Bereichen der Landesverwaltung als in höchstem Maße effektiv erwiesen hat. Der SPhV zählt die Benennung von Mentoren an den Schulen, also erfahrenen Lehrkräften mit spezieller Ausbildung, ausreichenden Freistellungen und ihrer Verantwortung entsprechender Eingruppierung zu den am ehesten erfolgversprechenden Maßnahmen zur besseren Gestaltung der Berufseinstiegsphase. Weiterhin ist an eine zeitlich befristete Reduzierung der Pflichtstundenzahl – selbstverständlich ohne weitere Kürzung der Besoldung – zu denken. Diese Maßnahme ist als Sofortmaßnahme zu verstehen, die der oben angesprochenen Fehlentwicklung einer Konzentration der Lehrerbildung auf einzelne Stunden entgegenwirkt und den bislang nur schlecht vorbereiteten Übergang in die auf längerfristige Verantwortung ausgerichtete Unterrichtstätigkeit erleichtern kann. Nach der notwendigen Akzentverschiebung im Referendariat kann diese Sofortmaßnahme sich möglicherweise später als nicht mehr notwendig erweisen.

Dritte Phase der Lehrerbildung
Die Fort- und Weiterbildung der Lehrkräfte hat in den letzten Jahren eine deutliche inhaltliche Verschiebung erfahren. Gegenwärtig nehmen Themenbereiche, die eigentlich zu den Führungsaufgaben der Schulpolitik zählen, einen sehr großen Anteil der Fort- und Weiterbildungstätigkeit ein. Dazu zählt insbesondere die Begleitung und Umsetzung schulpolitischer Reformen und Projekte sowie der Bereich der Schul- und Personalentwicklung. Demgegenüber hat die fachliche Weiterbildung der Lehrkräfte, speziell der Wissenstransfer von den Bezugswissenschaften in den Unterricht, deutlich an Gewicht verloren. Eigene Forschung und Publikation im Bereich der Lehrerbildung findet von Seiten der Lehrerbildung praktisch nicht mehr statt. Auch der Austausch der Lehrkräfte in Bezug auf gelungene Unterrichtsansätze ist, nicht zuletzt aufgrund der falschen Verkürzung des Referendariats und der damit verbundenen Abschaffung der zweiten Staatsarbeit ins Stocken geraten.
Der SPhV sieht diese Entwicklung sehr kritisch, insofern sie die Qualität und die Attraktivität der dritten Phase der Lehrerbildung gefährdet und die Anforderungen des gymnasialen Unterrichts ignoriert.
Zugleich haben sich organisatorische Maßnahmen der Vergangenheit als wenig effizient erwiesen. Insbesondere die mit der Schaffung von Stellen im Bereich der Fort- und Weiterbildung angestrebte Professionalisierung ist ausgeblieben, während zugleich der Umfang der speziell vom Gymnasialbereich zu stellenden Abordnungsstunden weitaus weniger als erhofft gesunken ist. Das hat unter anderem gravierende Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen in der Fort- und Weiterbildung, speziell am LPM. Ebenso ist es missglückt, dem Dilemma zwischen fortbildungsbedingtem Unterrichtsausfall und der fortbildungsbedingten Mehrbelastung für die Lehrkräfte zu entkommen. Der SPhV bekräftigt die auch von Seiten des Personals am LPM vorgebrachte Kritik an der zunehmenden Verschiebung von Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen in die unterrichtsfreie – und damit am Rande oder außerhalb der üblichen Arbeitszeiten – liegende Zeit. Stattdessen fordert der SPhV das klare Bekenntnis zur Notwendigkeit fachlicher Fort- und Weiterbildung und die Bereitstellung dazu notwendiger Personalmittel, z.B. in Form eines Fort- und Weiterbildungszuschlags zur Lehrerreserve.